Perspektiv­wechsel

Industriekultur.guide ist ein digitaler Guide, der die Userinnen und User mit auf eine Reise durch das industrielle Ruhrgebiet nimmt, vom frühen Bergbau bis zur Hochphase vor dem Zweiten Weltkrieg. Auf vorgegebenen Routen in drei Erlebnisräumen folgen die Besucher*innen zum Beispiel einem Kohlentreiber, einem Bergbaubeamten oder einer Seltersbudenbesitzerin und hört sich über die App ihre persönlichen Erzählungen an.

Je mehr man hört, desto besser lernt man die Figuren kennen, kann ihre Argumente nachvollziehen und ihre Meinung verstehen. Die Besucher*innen machen einen Perspektivwechsel mit – und erfahren Ruhrgebietsgeschichte auf besondere Art.

Für die Konzeption der Figuren und deren Geschichten zog das Team historisches Material und Zeitzeugenberichte zurate. Die Protagonist*innen sind fiktiv, sie erscheinen jedoch real und erzählen Geschichten, die so oder so ähnlich passiert sein könnten. In aufwendiger Detailarbeit und in enger Abstimmung mit Historikern wurden den erzählenden Figuren Charakterzüge zugeschrieben, Lebensumstände, Familienverhältnisse, ein Beruf und nicht zuletzt ein Aussehen und eine passende Stimme verpasst.

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Meine Frau Dorothea und ich haben unseren Kotten hier im Muttental – mit ein bisschen Kleinvieh, Gemüse und Getreide. Seitdem ich 14 bin, arbeite ich auf den Zechen hier in der Gegend. Das sind jetzt auch schon fast 30 Jahre. Die Zeit vergeht.
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Johann August Hahn
(Protagonist aus dem Muttental)

 

Wie ein roter Faden schlängeln sich die Geschichten und ihre jeweiligen Protagonist*innen durch die drei Erlebnisräume Muttental, Erzbahntrasse und Zollverein. Jeder Erlebnisraum legt den Schwerpunkt auf einen bestimmten Abschnitt der Ruhrgebietsgeschichte. Dieser ergibt sich aus den kulturhistorischen Zeugnissen und Industriestandorten vor Ort.

Die Erlebnisräume sind kein geschlossenes Gelände oder ein klassisches Museum. Vielmehr können die Besucher*innen ein weitläufiges, nicht zugangsbeschränktes Areal erkunden, unabhängig von Öffnungszeiten oder Führungen. Für zusätzliche Orientierung finden sich an den Stationen entlang der Routen Schautafeln mit Informationen zum Ort und den jeweiligen Protagonist*innen.

Perspektivwechsel ist ein gemeinsames Projekt des Regionalverbands Ruhr mit dem Fokus auf der Vermittlerrolle und der Ruhr Tourismus GmbH, die die anschließende Vermarktung übernahm. Das Projekt ist EU-gefördert und sah die »Kulturhistorische Inwertsetzung der industriellen Kulturlandschaft Ruhrgebiet« vor. Ziel war es, industriekulturellen Stätten nicht als einzelne Standorte zu sehen, sondern sie in einen zeitlichen und räumlichen Kontext zu setzen und sie so erlebbar zu machen.

Mit einem interdisziplinären Team hat Neovaude diesen digitalen Guide konzipiert, entwickelt, gestaltet, Geschichten recherchiert und geschrieben, Protagonist*innen zum Leben erweckt und den Alltag dieser in den Fokus gerückt. Zusätzlich wurden Routen entwickelt sowie Visuals und Texte für Tafeln und Flyer übernommen.

Für das Team war es eine besondere Freude, die eigene Heimat nochmals auf andere Art und Weise und in neuer Intensität kennenzulernen. Die aufgespürten Geschichten für andere Menschen zugänglich zu machen und manchem zunächst gewöhnlich erscheinendem Ort eine neue Dimension zu geben, waren zugleich Herausforderung und Motivation. Auf den ersten Blick Neuland für uns, hat uns dieses Projekt aber alles geboten, was und liegt, Spaß macht und herausfordert: Inhalte vermitteln und besondere Momente gestalten!


Leistungen:
Idee und ganzheitliches Konzept
Historische Recherche
Entwicklung der Protagonisten-Geschichten
Redaktion & Lektorat
Koordination und Produktion Audioguide
Design & Illustration
Konzeption und Umsetzung Website & App
Entwicklung Routen und Gestaltung Informationstafeln